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Liebe/r ,

ja, die liebe Kontrolle. Wir alle kennen sie - und wir lieben und hassen sie zugleich. Mal gibt sie uns Halt, mal raubt sie uns den Schlaf. Mal finden wir sie toll und mal würden wir sie am liebsten an die Wand tackern, weil sie uns so stresst.

Aber gerade habe ich einen schönen Spruch gelesen:
"Stress entsteht oft genau dort, wo wir versuchen, das Unkontrollierbare zu kontrollieren." Passt!

Wie alles hier in dieser Dualität hat auch die Kontrolle zwei Gesichter.

Es gibt eine Kontrolle, die aus Angst entsteht. Sie möchte verhindern, dass etwas schiefgeht. Sie grübelt, plant, überprüft und hält fest. Sie versucht, das Leben berechenbar zu machen.

Und es gibt eine Kontrolle, die aus Liebe entsteht. Ein Pilot arbeitet seine Checkliste ab. Eine Ärztin prüft ihre Instrumente. Wir schnallen uns im Auto an oder achten auf unseren Körper.

Hier geht es nicht darum, das Leben zu beherrschen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Der Unterschied liegt nicht in der Handlung, sondern in der inneren Haltung.

„Was wir am meisten fürchten, ist nicht das Gefühl, sondern die Nähe zu uns selbst.“
Carl Rogers

Der VIP-Pass für die Weltzerdenkung: Warum wir Kontrolle so lieben
Jeder kennt sie. Jeder braucht sie. Scheinbar. Kontrolle wirkt auf den ersten Blick wie echte Stärke, maximale Übersicht und unerschütterliche Sicherheit. Doch meist ist sie etwas ganz anderes: ein oft verzweifelter Versuch, die eigene innere Angst zu beruhigen.

Dabei geht es gar nicht nur um die Angst vor dem Ungewissen, sondern vor allem um die Angst, diese Unsicherheit überhaupt auszuhalten.

Es ist die Panik vor dem Moment, keinen Boden mehr unter den Füßen zu spüren und zu fühlen, wie verdammt wenig wir die Dinge im Leben tatsächlich im Griff haben.

Wir halten an der Kontrolle fest, weil wir früh gelernt haben, dass Unvorhersehbarkeit gefährlich sein kann, Anpassung schützt und 'ne stramme Planung Sicherheit verspricht.

Kontrolle ist eine clever erlernte Überlebensstrategie. Wenn wir kontrollieren, wollen wir nicht das Universum dominieren – wir versuchen nur, uns selbst zu beschützen:

  • Vor der nächsten fiesen Enttäuschung,
  • Vor schmerzhaftem Verlust,
  • Vor dem hilflosen Gefühl des Ausgeliefertseins,
  • Und vor der eigenen Verletzlichkeit.

Tarnkappen-Modus: Wie sich Kontrolle in dein Leben schleicht

Kontrolle maskiert sich oft als scheinbare Vernunft und zeigt sich vor allem im Alltag:

  • In der Dauer-Denkschleife: Das unaufhörliche Grübeln und Durchgehen aller Eventualitäten.
  • Im Overthinking-Planungswahn: Dem Zwang, auf Katastrophen vorbereitet zu sein, die zu 99 % nie eintreffen.
  • In der Gefühls-Bürokratie: Dem Versuch, Emotionen zu analysieren und zu verwalten, bevor sie überhaupt richtig da sein durften.

„Wenn ich es verstehe, habe ich es im Griff. Und wenn ich es im Griff habe, tut es weniger weh.“ – So zumindest die Hoffnung.

Doch Kontrolle verlangt einen extrem hohen Preis. Sie hält den Körper in Daueranspannung und lässt den Geist niemals durchatmen.

Kontrolle ist häufig der gemeinsame Nenner aller inneren Antreiber. Denk an die Checkliste von Kaluza (... diese findest Du im Mitgliederbereich)

Denn jeder Antreiber versucht letztlich, Unsicherheit zu vermeiden.
  • Der Perfektionist kontrolliert Fehler.
  • Der Vorsichtige kontrolliert Gefahren.
  • Der Starke kontrolliert Gefühle.
  • Der Beliebte kontrolliert Beziehungen.
  • Der Fleißige kontrolliert Leistung.

Darunter liegt oft dieselbe Überzeugung:
"Wenn ich nur genug kontrolliere, bin ich sicher."

Und genau da entsteht aus meiner Sicht Stress. Nicht, weil wir kontrollieren, sondern weil wir versuchen, etwas zu kontrollieren, das sich letztlich gar nicht vollständig kontrollieren lässt.

Sie verhindert Vertrauen, noch bevor es entstehen kann – denn Kontrolle und Vertrauen wohnen selten im selben Raum.

Je mehr wir festhalten, desto weniger erleben wir das Leben wirklich. Wir verwalten es nur noch.

Das Paradoxe daran: Kontrolle gibt uns kurzfristig Erleichterung, aber langfristig absolute Erschöpfung. Sie verhindert das Ungewisse nicht, sie verschiebt nur das Treffen damit.

Die 4 Lieblings-Lügen unseres Egos
Sobald wir verstehen, wie sehr unser Alltag von der Illusion der Trennung geprägt ist, wird klar: Kontrolle ist das Schweizer Taschenmesser des Egos.

Das Ego flüstert uns ständig folgende Mantras ein:

  1. „Wenn ich alles im Griff habe, kann mir nichts passieren.“
  2. „Wenn ich perfekt vorbereitet bin, kann ich Schmerz vermeiden.“
  3. „Wenn ich alles richtig mache, werde ich geliebt.“
  4. „Wenn ich ständig vorausdenke, bin ich sicher.“

Kontrolle ist nicht logisch – sie ist rein emotional.

Sie entsteht aus einem tiefen Gefühl des Getrenntseins und versucht, diese innere Unsicherheit im Außen zu kompensieren.

Die „Großen Drei“: Wovor wir wirklich Schiss haben
Im Kern richtet sich unser Kontrollzwang gegen drei sehr grundlegende, tiefe Ängste:

1. Die Angst vor dem Tod
Damit ist nicht nur das körperliche Sterben gemeint, sondern das innere Sterben. Das Ende von Phasen, Beziehungen oder Kontrollillusionen, das wir nicht aufhalten können. Ohnmacht eben. Jede Veränderung trägt ein kleines Sterben in sich – und genau davor will uns die Kontrolle bewahren.

2. Die Angst vor dem Leben
Vor seiner Unberechenbarkeit, seiner Intensität und seiner Weite. Leben lässt sich nun mal nicht durchterminieren; es will gefühlt, durchlitten und geliebt werden. Und genau das macht Angst! Wirklich zu leben bedeutet, sich berühren zu lassen, Risiken einzugehen und nicht zu wissen, wie das Skript ausgeht. Kontrolle versucht, das wilde Leben handhabbar zu machen, indem sie es verkleinert. Der Preis dafür? Unsere eigene Lebendigkeit.

3. Die Angst vor dem eigenen Sein
Die vielleicht leiseste und tiefste Angst: einfach da zu sein. Ohne Maske, ohne Rolle, ohne Leistung. Viele haben nie erfahren, dass ihr reines Sein genügt. Kontrolle wird dann zum künstlichen Halt, wenn das innere Fundament wackelt.

Das Hamsterrad im Kopf anhalten
Kontrolle ist kein Ausdruck von Stärke, sondern von Angst. Nicht der lauten Angst, die uns anschreit, sondern der leisen, schleichenden Befürchtung, dass das Leben gegen uns arbeitet.

Wir planen, optimieren und halten fest, um das Unbekannte klein zu halten. Aber das Leben fließt nun mal. Kontrolle ist der Versuch, einen Fluss in ein Einmachglas zu sperren. Das erschöpft uns maßlos. Die ständige Enge spüren wir irgendwann körperlich: im flachen Atem, den hochgezogenen Schultern, der Enge im Brustraum.

Veränderung beginnt nicht, indem wir von heute auf morgen alles radikal loslassen und ins Chaos stürzen. Sie beginnt dort, wo wir aufhören, unser Bedürfnis nach Kontrolle zu verurteilen, und anfangen, es zu verstehen.

Frag dich in einem ruhigen Moment einmal selbst:
„Was müsste ich eigentlich fühlen, wenn ich jetzt für einen kurzen Augenblick weniger festhalte?“

Vielleicht taucht da Unsicherheit auf. Vielleicht Traurigkeit oder tief sitzende Müdigkeit. Vielleicht aber auch: riesige Erleichterung.

Dort, wo die Kontrolle weicher wird, entsteht Raum für echtes Vertrauen.

Das muss nicht erzwungen werden durch Willenskraft – es stellt sich von ganz allein ein, wenn wir dem verletzlichen Teil in uns endlich mit Mitgefühl begegnen.

Den Kontrolle löst sich nicht durch Disziplin. Sie löst sich, wenn wir das Vertrauen wiederfinden. Und Vertrauen ist immer der Anfang von echtem Einverstandensein mit dem Leben.

Alles Liebe

Deine Jeanette 🌸

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JEANETTE RICHTER
Heilpraktikerin für Psychotherapie & Coach für Stressmanagement, Resilienz und Thanato-Psychologie

Durch eine liebevollere Sichtweise zu mehr Glück im Sein und weniger Stress mit Leben & Tod
 
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